Wasser unser (…) und vergib uns unseren Wasserverbrauch

Publiziert von Judith Albisser am 7. September 2017 09:51:35 MESZ

Wie der Klimawandel unsere Beziehung zum Wasser verändert: das Alpine Museum der Schweiz wagt mit seiner Hauptausstellung «Wasser unser» den Blick in die Zukunft und bangt zugleich um seine zukünftige Existenz.

Ausstellung Wasser, Alpines Museum der Schweiz.png

Wieso muss man sich in der Schweiz, dem Wasserschloss Europas, Gedanken um Wasserknappheit machen? In der Schweiz fallen die höchsten Niederschlagsmengen Europas, die unzählige Seen und Flüsse speisen. Dafür verantwortlich ist die Wetterbarriere der Alpen. In den Alpen entspringen zudem die vier grossen Flüsse Rhein, Rhone, Ticino und Inn, die mit ihrem Wasser halb Europa versorgen. Überdies bilden die Gletscher in den Alpen einen enormen Wasserspeicher - der aber zusehends kleiner wird. Schuld daran ist die Klimaerwärmung. Denn durch die Zunahme an heissen und trockenen Sommern und fehlenden Schneefällen im Winter schmelzen die Gletscher dahin, und der Wasserspeicher verkleinert sich. Die Gletscher sind somit ein bedeutender Indikator der Klimaerwärmung. Das ist mitunter ein Grund, sich auf das Gedankenexperiment des Alpinen Museums mit seiner Hauptausstellung «Wasser unser» einzulassen. Die Ausstellung schaut in die Zukunft und verbindet Forschung mit Fiktion. Die als Rundgang konzipierte Ausstellung durchläuft sechs mögliche Zukunftsszenarien. Ihr gemeinsames Prinzip ist, dass Menschen im Jahr 2051 über ihren Alltag sprechen.

Das Recht auf Wasser
Videobotschaften von Forscherinnen und Forschern, die sich direkt an die Besucherinnen und Besucher richten, erklären aktuelle Prognosen auf eine einfache Art. Die literarischen Texte lassen Menschen im Jahr 2051 erzählen, wie sie in dieser Welt und mit dem Wassermangel leben.  Diese neuen Impulse verfehlen jedoch teilweise ihre Wirkung, v.a. dort, wo die erzählten Geschichten zu weit von den Fakten abweichen. 

Im ersten Szenario wird über den Wasserchip gesprochen, der den Wasserverbrauch jedes Einzelnen erfasst und die Daten an die Behörden liefert. Der individuelle Wasserverbrauch wird so penibel überwacht. Die weiteren Zukunftsszenarien behandeln einerseits das Recht auf Wasser, welches seit dem Jahr 2010 ein Menschenrecht ist. Der Internationale Wassergerichtshof hat seinen Sitz in Genf und die Frage, «wem gehört das Wasser» ist erst recht ein Thema, seit internationale Konzern wie Nestlé ganze Wasserquellen aufkaufen und abgefüllte Wasserflaschen an die Bevölkerung verkaufen. Immer wieder kommt es auch zu Nutzungskonflikten um die Ressource Wasser, wie bspw. jene zwischen Stromproduzenten und dem Umweltschutz.

Das fünfte Zukunftsszenario handelt vom letzten Schneeressort der Schweiz. Aus wissenschaftlichen Berechnungen ist voraussehbar, dass viele Skigebiete auf einer Höhe von 2000 bis 3000 Meter in vierzig Jahren keinen Schnee mehr haben werden. Schneeland, das fiktive letzte und einzige Wintersportgebiet in der Schweiz, befindet sich auf einer Höhe zwischen 3000 und 4000 Meter und bietet dem Wintertourismus noch echten Schnee an. Das weisse Gold von heute ist rar geworden.

Trotz Erfolg eine unsichere Zukunft
Das Alpine Museum Schweiz (alps) ist das einzige Museum in der Schweiz, welches sich mit Bergthemen und dem Alpenland Schweiz aktiv auseinandersetzt. Es ist überdies ein Museum, das Themen behandelt, die uns aktuell beschäftigen und auch in Zukunft beschäftigen werden. Diesen Juli hat das Bundesamt für Kultur (BAK) entschieden, das Alpine Museum für die neue Förderperiode zwischen 2018 – 2022 mit noch 250'000 Franken statt mit den bisher 1'020'000 Franken an Betriebsbeiträgen zu unterstützen. Die Kürzungen des BAK trifft noch viele weitere Museen in der Schweiz und gehört in eine Reihe von fragwürdigen Entscheidungen, die das BAK bezüglich der Kulturförderung in den letzten Jahren getroffen hat. Die Kürzungen des BAK treffen das Alpine Museum besonders hart; die Streichung von 75 % an Unterstützungsgelder sind ein folgeschwerer Rückschlag und das Museum steht vor dem finanziellen Aus. Was das für die Zukunft des Museums bedeutet, ist noch offen. Auf der Homepage des Museums kann man einen Appell unterzeichnen und damit das Museum unterstützen.

Klar ist hingegen, dass die Ausstellung «Wasser unser» gut besucht wird und bis zum 7. Januar 2018 verlängert wurde.

https://www.alpinesmuseum.ch/de

Themen: Museum, Ausstellung, Wasser, Wasserknappheit

aufbruch Blog

Der aufbruch interessiert sich für das, was an den Rändern der Konfessionen und Religionen aufbricht, und macht sich stark für eine gelebte Ökumene. Er engagiert sich in der Auseinandersetzung mit Menschen anderer Religionen und ist gesellschaftskritisch präsent, wo es um christliche Werte geht.Der aufbruch deckt 6-mal im Jahr ein breites Themenspektrum aus Religion und Gesellschaft ab.

Für den eNewsletter anmelden

Aktuelle Ausgabe:

227: Radikal religiös – wieso, weshalb, warum? 

Ansichtsexemplar bestellen

 

 

Neuste Beiträge

Beiträge nach Themen

alle ansehen