Schöne Ferien

Publiziert von Ueli Mäder am 20. Juli 2017 09:26:44 MESZ

Dieser Tage feiert der Schweizerische Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung sein vierzigjähriges Jubiläum. Der Arbeitskreis setzt sich kritisch mit Reisen in ferne Länder auseinander.

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Vor einem halben Jahrhundert galt der Tourismus als edelste Form der Entwicklungshilfe. Er bringt armen Ländern Geld und Arbeitsplätze. So lautete die Annahme, die sich bald einmal als Illusion erwies. Oft subventionieren arme Länder die Ferien von uns Reichen. Sie bauen Strassen, stellen Wasser und Elektrizität zu Verfügung. Viel Geld bleibt aber in hochindustrialisierten Ländern, wo wir unsere Reisen buchen. Zwar dürfen Einheimische uns dann im Urlaub das Essen servieren und die Hotelzimmer reinigen, in denen wir übernachten. Aber viele Bereiste, die vom Land in die touristischen Zentren ziehen, finden dort keine Anstellung. Sie erhöhen die Zahl der Erwerbslosen. Hinzu kommt die Umweltbelastung durch unsere weiten Flugstrecken und unseren Energieverbrauch vor Ort. Die ökonomische und ökologische Bilanz ist ernüchternd.

Bleibt die Völkerverständigung. Der Tourismus bringt Menschen zusammen. Er fördert die interkulturelle Begegnung. Schön. Aber zwischen wem? Zwischen jenen, die sich gemeinsam am Swimmingpool tummeln? Oder zwischen uns Gästen und den Bediensteten? Oder sind auch jene Leute am Rande unserer Pfade gemeint, die sich keine Kamera erlauben können? Oft verstärkt der Tourismus soziale Gefälle und bestehende Vorurteile. Auch wenn wir es gut mit den Armen meinen und ihnen sogar ein paar Sous schenken. Wir haben jetzt ja mit eigenen Augen gesehen, wie arm, nett oder faul sie angeblich sind.

Als Kunde sind Sie König
Vom Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung liegen zahlreiche Studien zu dem vor, was der Tourismus alles mit sich bringt. Der Arbeitskreis weist Reisende zudem in Prospekten darauf hin, wie sie die Umwelt mehr schonen können. Das ist wertvoll. Etliche Reisende bedanken sich dafür. Sie wollen das Anliegen auch bei sich daheim umsetzen. Zumal hier der Ressourcenverbrauch am höchsten ist.

Der Arbeitskreis empfiehlt uns mit einem Augenzwinkern auch, was wir beim Urlaub in der so genannt „Dritten Welt“ beachten sollten. Die zwölf Faustregeln sprechen für sich. Sie lauten, von mir mitverfasst:

  1. Fragen Sie nicht, warum Sie in die Dritte Welt reisen. Es steht in den Prospekten.
  2. Belästigen Sie Ihren Reiseverkäufer nicht mit unnötigen Fragen. Nehmen Sie, was frei ist.
  3. Fragen Sie ihn nicht, ob er Ihren Ferienort auch persönlich kennt. Sie können ihm ja später davon erzählen.
  4. Beschränken Sie sich in Ihrem Urlaub auf Sonne, Sand und Pyramiden. Alles Übrige könnte Sie nur beunruhigen.
  5. Lassen Sie sich nicht durch Armut und Not den Urlaub vermiesen. Jeder ist seines Glückes Schmied.
  6. Lassen Sie sich nicht durch andere Sitten und Gebräuche verunsichern. Tragen Sie Ihre kurzen Hosen.
  7. Fotografieren Sie hemmungslos. Schliesslich ist das Ihre Kamera.
  8. Bestehen Sie auf Schnitzel und Pommes frites. Chinesisch können Sie auch zu Hause essen.
  9. Im Urlaub müssen Sie nicht unbedingt fremde Menschen kennenlernen. Die sprechen sowieso kaum Deutsch.
  10. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Hotel unter Deutscher oder Schweizer Leitung steht. Dann können Sie sich wie zu Hause fühlen.
  11. Fragen Sie nicht nach der Qualität der Reiseleitung. Lassen Sie sich überraschen.
  12. Und war der Katalog schöner als Ihre Ferien, nehmen Sie’s auf die leichte Schulter. Andere haben ihn auch gelesen.

Alles klar? Sonst informiert Sie der Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung(Missionsstrasse 21, 4003 Basel, 061/261‘47‘42) gerne darüber, was ein nachhaltiger Tourismus ist und wie Sie „fair unterwegs“ sein können.

Ueli Mäder ist emeritierter Professor für Soziologie. Er leitete von 1978-88 den Schweizerischen Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung.

Themen: Tourismus, "Dritte Welt", Armut

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