Ist der Zölibat bald Geschichte?

Publiziert von Wolf Südbeck-Baur am 25. Januar 2018 09:36:57 MEZ

Das wäre ein echter Paukenschlag. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner (Bild) rechnet mit einer baldigen Öffnung des katholischen Priesteramtes für verheiratete Männer.

paul_zulehner

»Ich vermute, dass dies lateinamerikanische Bischöfe auf der Amazonassynode 2019 beschliessen werden. Der Papst dürfte ihnen die Rückendeckung geben«, sagte der auch hierzulande bekannte Initiant der online-Aktion Pro Pope Francis der österreichischen Zeitung Kurier.

Im Vorfeld der Synode war schon häufiger die Idee ins Gespräch gebracht worden, bewährte verheiratete Männer, also »viri probati « zu Priestern zu weihen. Medienberichten zufolge lässt auch Papst Franziskus den Vorschlag prüfen als mögliche Antwort auf den Priestermangel etwa im weitläufigen Amazonasgebiet. Der langjährige Amazonas-Bischof Erwin Kräutler habe ein entsprechendes Papier mit vorbereitet, das »bereits auf dem Schreibtisch des Papstes« liege. Rom sei bereit, so Zulehner, in die »Schule der Regionen, der Kontinente, der Bischofskonferenzen« zu gehen, dort zu lernen und Entscheidungen regional zuzulassen oder für die Weltkirche zu übernehmen. Bisher habe alle Welt nach der »römischen Pfeife« getanzt, das werde sich künftig aber ändern und zu einer »Revolution« führen. Sollten sich die lateinamerikanischen Bischöfe für »viri probati« entscheiden, werde dies andere Gremien unter Druck setzten, dem Beispiel zu folgen und so die Kirche verändern.

Wird dieser historische Aufbruch des Zölibats Wirklichkeit, wäre die römisch-katholische Kirche definitiv im dritten Jahrtausend angekommen. Und Papst Franziskus würde mit den viri probati eine Neuordnung des Priesteramts anschieben, die die Kirche aus der Verkrustung der Tradition herausholen kann.                        

 

Themen: Zölibat, Katholische Kirche

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