Handeln oder Untergehen

Publiziert von Xaver Pfister am 25. September 2019 10:02:22 MESZ

Der Zustand der römisch-katholischen Kirche wirkt sich an der Basis verheerend aus. Das Vertrauen in die Institution schmilzt.

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Bild: Clarakirche Basel. statistik.bs.ch

Die damals als Gemeinschaft in Liebe gedachte Kirche hat ihre Glaubwürdigkeit verloren. Intrigen und Grabenkämpfe prägen den Vatikan. Aus Rom keine Hoffnungsblitze, wohl aber Führungsschwäche und Machtmissbrauch.

Viel Engagement auf lokaler Ebene
Anderes zeigt sich der Blick auf die Kirche vor Ort. Es wird an vielen Orten der Schweiz an mutigen Projekten gearbeitet, zum Beispiel auf dem Basler Bruderholz. Dort geht es um OFFLine, das in die Ruhe einübt... So werden Wege in Stille mitten im Alltag, sowie der achtsame Umgang der Menschen untereinander und mit der Umwelt von Reformierten und Katholiken gemeinsam gefördert.
Ein offenes Ohr in der Kleinbasler Clarakirche. „Wo gibt es das denn heute noch, dass einem jemand eine halbe Stunde lang einfach zuhört?“ So hat eine Frau ihr Erstaunen und ihre Freude darüber ausgedrückt, dass sie eine Person gefunden hat, die ihr zuhört.
Erstaunliches wird im Basler Hirzbrunnenquartier entwickelt. Durch den Zuzug junger Familien erlebt es einen Umbruch. Die Quartierbevölkerung will vermehrt Begegnungsmöglichkeiten für Senioren, für Kinder, Familien und Singles. Das Allmendhaus-Areal soll deshalb ein identitätsstiftendes, soziales Zentrum werden. Kirche und Allmendhaus gehören der katholischen Kirche. Es soll nun an verschiedene Initiativen vermietet werden, die Mitglieder des Trägervereines werden. Die Michaelskirche wird auch von der evangelisch-reformierten Kirche mitbenutzt.

Kein Veränderungswille in Rom
Hingegen sieht das Erscheinungsbild der Kirchenleitung in Rom ganz anders aus. Die Nummer 3 im Vatikan, Kardinal Pell, muss wegen sexuellem Missbrauch von Minderjährigen ins Gefängnis. Die Geschichte des Missbrauchs ist nicht aufgearbeitet. Der Vatikan weigert sich, über die Weihe von Frauen nur schon zu diskutieren.
Die deutschen Bischöfe haben beschlossen, einen synodalen Weg zu gehen. Dieser soll drängende Fragen angehen: der nötige Machtabbau, die Bekämpfung des Klerikalismus, echte Partizipation und Gewaltenteilung. So wollen die Bischöfe in Deutschland verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Genug geredet, meinen viele engagierte Gläubige, jetzt muss etwas geschehen. Diese Forderung wird zunehmend lauter und heftiger erhoben. „Es wird uns nicht mehr durchgelassen, dass wir jetzt jahrelang nur reden, reden, reden", meint denn auch der Vorsitzende der deutschen Bischöfe, Kardinal Reinhard Marx.
Der Papst wiederum will diesen Veränderungswillen klein halten. Ein deutscher Sonderweg soll von vornherein unterbunden werden. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, da kann eine Nationalkirche nicht isoliert zum Beispiel die Aufhebung des Pflichtzölibats beschliessen. So redet Papst Franziskus heute. Zu Beginn seines Pontifikats hatte er die Bischofskonferenzen noch zum eigenständigen Denken und Handeln aufgerufen.

Xaver Pfister

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