„Fördern – Fordern – Feiern“

Publiziert von Esther Gisler Fischer am 14. November 2019 15:33:20 MEZ

Zum Jubiläum „20 Jahre Frauenkonferenz des SEK“ diskutierten Pionierinnen, Prominente und Poetinnen über die Vergangenheit und warfen einen Blick in die Zukunft

sek

Bild: Nadja Rauscher, EKS

Im luftig hellen Saal des kirchlichen Zentrum Bürenpark, einer Einrichtung der Gesamt-Kirch-Gemeinde Bern, fand am 28. Oktober unter dem Motto „Fördern – Fordern – Feiern“ ein Frauenmahl mit Tischreden zu „20 Jahre Frauenkonferenz des SEK“ statt. Dazu versammelten sich unzählige Frauen aus der ganzen Schweiz; darunter viele kirchliche Pionierinnen. Nach einem Grusswort von Gottfried Locher, seines Zeichens Ratspräsident des SEK, gab es ein weiteres von Pfrn. Roswitha Golder, Gründungsmitglied und ehemalige Co-Präsidentin der Frauenkonferenz, welche die Anfänge beleuchtete. Nach der Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen (1988-1998) des Ökumenischen Rates der Kirchen wurde aus der Frauenkommission die Frauenkonferenz als Organ des SEK. Viel sei inzwischen geleistet worden an Sensibilisierungsarbeit in den Mitgliedskirchen. Ganz nach Jesu Motto: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben!“.

Mut zum Streiten

Über die lustvollen Anfänge berichtete Irène Gysel, ehemalige Kirchenrätin der Zürcher Landeskirche. Über das Neuentdecken biblischer Texte aus feministischer Perspektive, dem Ausprobieren und Erproben neuer liturgischer Formen und Disputen mit Professoren an der Uni. Was aus all diesen Aufständen geblieben sei, fragte sie in die Runde und wünschte der Frauenkonferenz für die nächsten Jahre mehr Mut zum Streiten.

In einem launigen Beitrag verband anschliessend die Slam-Poetin, Pfarrerin, Mutter und Gastroseelsorgerin Corinne Dobler gekonnt weibliche Erfahrungswelten von der Menstruation über das Abendmahl mit seiner Blutsymbolik bis zum Ausbluten der Welt durch die menschliche Ausbeutung. Ihr Fazit:

 „Die Liebe zum Leben ist heilig.“

Das Tagungsmotto legte dann Nationalrätin Maya Graf aus der Sicht von Helvetia aus: Zu feiern gäbe es zwar seit den Eidgenössischen Wahlen schon Einiges, doch sei der Ständerat, das ‚Stöckli‘ halt immer noch eine Männerbastion, die es in Nachwahlgängen in einigen Kantonen noch zu erobern gelte. ‚Helvetia ruft!‘ hiess die Kampagne von Alliance F, dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, mittels derer sich über 500 Frauen motivieren liessen, an den Wahlen als Kandidatinnen teilzunehmen. So befänden sich nun 43% Frauen im neu gewählten Nationalrat. Denn die weibliche Sicht sei auch in der Politik sehr wichtig!

Pluralität zulassen

Im letzten Beitrag liess Judith Borter, Pfarrerin und Stellenleiterin der Fachstelle Gender und Bildung der reformierten Kirche Baselland die Anwesenden Anteil nehmen an Dialogen, welche sie mit Freundinnen geführt hatte zur Zukunft der Kirche im Allgemeinen und der Frauenkonferenz im Besonderen.

Wichtig sei das Bekenntnis zu Vielfalt; auch gerade, was Familienformen betreffe.

Zudem seien neue Gottesbilder - jenseits von männlich und weiblich wichtig - gerade auch für Menschen, welche sich jenseits des Binären verstünden. Allgemein müsse der Rand zum Zentrum kirchlichen Redens und Lebens werden und ‚Gott dazwischen‘ gesucht werden. Kirche sollte zu einer ‚Caring Community‘ werden gegen die Gleichgültigkeit. Denn sie leide nicht unter einer Relevanz-, sondern einer Resonanzkrise, wie eine ihrer Gesprächspartnerinnen es auf den Punkt gebracht habe. Der Frauenkonferenz wünschte sie, weiterhin als Ermöglicherin wirken zu können und dies sowohl auf dem kirchlichen, politischen wie gesellschaftspolitischen Parkett.

Zwischen den Reden wurde ein feines vegetarisches Essen serviert und die Anwesenden kamen in den Genuss musikalischer Leckerbissen mit Saxophon und Piano.

 

Themen: SEK-Frauenkonferenz

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