Ein Gedenken ohne Würde und Tiefgang

Publiziert von Xavier Pfister am 31. August 2017 um 09:14:30 MESZ

Zur rechtskonservativen Gedenkfeier "Die Schweiz mit Bruder Klaus"

wohnhaus bruder klaus. obrist-impulse.net

Grosse, perfekt gemachte Inserate haben zu einem einen Gedenkanlass im Flüeli Ranft auf den 19. August eingeladen. 2000-3000 Personen folgten der Einladung. Der wohl nur für diesen Anlass neu gegründete Verein "Die Schweiz mit Bruder Klaus" verantwortet zusammen mit dem Bistum Chur den Anlass und hat Christoph Blocher und Bischof Vitus Huonder als Festredner eingeladen. So vereinten sich der rechts-aussen Politiker und der wohl konservativste und umstrittenste Schweizer Bischof, um Bruder Klaus zu ehren. Zwei Persönlichkeiten, die im Gegensatz zu Bruder Klaus nicht für Versöhnung stehen, sondern polarisieren.

Kurz: Da versammelte sich nicht die ganze Schweiz, sondern ein Teil der pointiert reaktionären Schweiz.

Blocher: Niklaus von Flüe - eine Führungslehre
Für Christoph Blocher war das ein Anlass, der gut zu seinem politischen Marketing passt, hat er sich doch in den letzten Jahren angewöhnt jeweils drei für ihn und seine Politik stehende Schweizer Persönlichkeiten vorzustellen. Dabei wurden dieser Persönlichkeiten in freier Interpretation politisch instrumentalisiert.

Huonder: Der fromme Bruder Klaus
Er erzählte die Geschichte des Bruder Klaus fromm ausgearbeitet. Der Bezug zur Gegenwart, der jede brauchbare Theologie ausmacht, fehlte fast ganz. So überrascht es nicht, dass in verschiedenen Zeitungen berichtet wird, wie die Rede Blochers begeistert aufgenommen wurde. Auf Vitus Huonder reagierte man aber verhalten.

Bischof in politischem Milieu: Ein gefährliches Unternehmen
Politik und Kirche spannten in dieser Gedenkfeier zusammen. Ein gefährliches Unternehmen. Auch wenn sich der Bischof mehrheitlich auf das Leben des Bruder Klaus beschränkte, machte er eindeutig politische Aussagen: "Einem solchen Menschen gerecht zu werden, ist nicht einfach, vor allem im Gegenüber zur heutigen Gesellschaft. Erträgt die heutige Gesellschaft den Ernst dieses Mannes? Erträgt die heutige Eidgenossenschaft den Ernst dieses Mannes?" Diese Sätze im Kontext einer von der SVP durchgeführten Veranstaltung sind politisch zu verstehen. Die heutige Gesellschaft wird als oberflächlich, als unfähig sich mit grundlegenden Fragen auseinander zu setzen, geschildert. Es gibt die böse Welt, die denen gegenübersteht, die sich als "Zeichen Gottes in einer schwierigen Welt verstehen." Bruder Klaus gehörte aber auch mindestens bis zum Abstieg in den Ranft dieser Gesellschaft an. Er übte alle wichtigen Ämter im Stand Obwalden aus. Er soll auch aktiv an Kriegen seiner Zeit teilgenommen haben. Bruder Klaus ist auch Heiliger und Sünder zugleich wie die Menschen der bösen Welt. Die Rede des papsttreuen Bischofs übernahm aber die Art der theologischen Rede nicht, wie sie Nachdenken und Reden von Papst Franziskus prägt. Er hätte dann die SVP in einigen Positionen herausfordern müssen.

Wie der Papst denkt und wie anders der Bischof
Der Papst äussert sich pointiert in seinem Dokument zur Einführung des ersten Welttages der Armen am 17. Juni dieses Jahres: "Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? [...] Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch! Ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat" (Jak 2,5-6.14-17).

Ganz anders die Option der SVP im Parteiprogramm 2015 bis 2019: "Hier hat die SVP eine undankbare, aber umso wichtigere patriotische Aufgabe. Die SVP ist im Grunde die einzige Partei, die genau hinschaut, sich der Wirklichkeit stellt, die Probleme offen auf den Tisch legt. Erst so sind Lösungen möglich. Die andern wollen mitplappern überall auf der Welt. Die SVP will Ordnung schaffen im eigenen Haus. Denn echte Verantwortung lässt sich nur da wahrnehmen, wo es auch Grenzen der Zuständigkeit gibt. Unser Auftrag steht klar vor uns – auch die nächsten vier Jahre. Unser Auftrag ist die Schweiz."

In der Bibel steht geschrieben: Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk (5 Mose 26,5).

Ganz anders die SVP: "Überall auf Stufen und Kanten, sitzen Asylanten mit Verwandten. An Renten ist für uns nichts mehr zu holen, denn leider kommen wir ja nicht aus Polen. Der Ali hat Kohle, der Hassan hat Drogen, der Schweizer zahlt und wird noch betrogen." Das wäre in den Augen des neuen Zürcher SVP-Gemeinderats Derek Richter der ideale Text für den Schweizerpsalm.

Das sind nur drei Aussagen von vielen, die der Botschaft der Kirche widersprechen. Vitus Huonder, dem die rechte Lehre so wichtig ist, bringt sie gar nicht ein. Dabei gibt sich die SVP als Hüterin des christlichen Abendlandes: "Die SVP bekennt sich zur christlich-abendländischen Kultur der Schweiz. Diese ist die Basis unserer Identität und unseres Zusammenlebens. Nicht ohne Grund trägt unser Land ein Kreuz im Wappen, und unsere Landeshymne hat die Form eines Gebets."

Themen: Bischof Huonder, SVP, Niklaus von der Flüe, Blocher

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