«Die Kirche braucht Diakoninnen»

Publiziert von Jacqueline Straub am 28. Februar 2018 09:52:25 MEZ

Der kantonale Seelsorgerat der katholischen Kirche im Kanton Zürich sprach sich «für das Amt der Frau als Diakonin» aus. In einem Positionspapier heisst es, dass Frauen auf der Ebene der kirchlichen Ämter prinzipiell ausgeschlossen bleiben und weil die Beratungs- und Entscheidungsprozesse an das Priester- und an das Bischofsamt gebunden seien, könnten sich Frauen nicht einbringen.

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Daher setzt sich der Zürcher Seelsorgerat nun dafür ein, ein neues Amt der Diakonin «mit einem eigenständigen Charakter als Ergänzung zur bestehenden männlichen Ämterstruktur» zu schaffen. «Die Vielfalt und Vielschichtigkeit unserer Gesellschaft verlangt nach vielfältigen und vielschichtigen Diensten und Ämtern.» Durch das Amt der Diakonin würde die katholische Kirche «eine zukunftsgerichtete Antwort auf die Fragen der Zeit geben» und an Glaubwürdigkeit gewinnen, ist der kantonale Seelsorgerat überzeugt. Im Positionspapier «Die Kirche braucht Diakonninen» wird auf Papst Franziskus verwiesen, der die Diskussion über das Frauendiakonat durch die Einberufung einer paritätisch zusammengesetzten Fachkommission 2016 wieder angestossen hat.

Wenn sich nun auch der kantonale Seelsorgerat in der Frauenfrage stark macht, sind solche Signale zweifellos erfreulich. Dieser Aufruf, neue Wege in der Ämterfrage zu beschreiten, wirkt aber zaghaft. Denn: Er kommt reichlich spät. Schon seit Jahrzehnten wird der Frauendiakonat gefordert und über Mangel in der Seelsorge geklagt, da das sakramentale und spirituelle Leben unter dem Klerikermangel leidet. Ein Diakonat der Frau würde diese Missstände, die sich in den letzten Jahrzehnten angebahnt haben, nicht beheben. Doch schon heute würden Diakoninnen der Kirche gut tun und wären wie Balsam für die Seelsorge. Wichtig ist nun aber, dass auch weitere Gremien, Laien und Kleriker geschlossen auftreten und sich für das Diakonat der Frau aussprechen.

Wenn es in Zukunft den Diakonat der Frau geben soll, sollte dieser ein geweihter, sakramentaler Dienst sein. Der Seelsorgerat spricht vom «eigenständigen Charakter» des Diakonats, was die Frage aufwirft: Fordern sie etwa einen zurückgestuften «Diakonat zweiter Klasse»? Ein Diakonat der Frau ohne Weihe wäre lediglich ein allzu bequemer Kompromiss. Der geweihte Diakonat der Frau hingegen, wie er in Deutschland nicht nur von den Frauen und Jugendlichen, sondern auch von Bischöfen zunehmend gefordert wird, wäre ein wichtiger und historisch bedeutsamer Meilenstein für die katholische Kirche und wäre eine Bereicherung für die Seelsorge vor Ort.

Themen: Frauen in der Kirche, Diakoninnen, Katholische Kirche

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