Der Arbeiter, der auf Arbeitsplätze verzichtete

Publiziert von Walter Ludin am 29. August 2019 09:09:34 MESZ

Es tönt wie ein Mantra, wie ein heiliger Spruch der östlichen Religionen: «Wir müssen Arbeitsplätze erhalten» – koste es, was es wolle; auch wenn wegen den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen die Glaubwürdigkeit der Schweiz auf dem Spiele steht.

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Bild: pixabay

Es ist offensichtlich, was diese Aussagen auf dem sehr aktuellen Hintergrund im Klartext bedeuten: Es geht um die Waffenausfuhr in Kriegsgebiete. Es gilt offensichtlich, jeden Auftrag anzunehmen, auch wenn das Produzierte und Exportierte Menschenleben vernichtet.

Es geht auch anders. Dies habe ich kürzlich beim Aufräumen meiner Papier-Dossiers erfahren. In einer alten Ausgabe der «Friedenszeitung/friZ» finde ich einen Artikel mit der Überschrift «Diese Schweinerei mache ich nicht länger mit.» Er handelt von einem Mann namens Ralf Winkler, der zur Nazizeit in der Schweiz Maschinenschlosser war.

Man ahnt es: Der Arbeiter entdeckte, dass er bei Sulzer für Hitler arbeitete, konkret Motoren für deutsche Unterseeboote produzierte. Winkler kündigte und begann, bei einem Bauern als äusserst schlecht bezahlter Knecht zu arbeiten. Er war damit körperlich überfordet und begann wieder auf seinem Beruf zu arbeiten. Doch damit kam er wieder in Teufels Küche. Bei Escher Wyss musste er mithelfen, Kühlzellen für Rommels Afrika-Feldzug herzustellen.

Und kündigte nochmals. Er fand später einen Betrieb, der landwirtschaftliche Maschinen herstellte – für Schweizer Bauern. Und er kam zur Einsicht, «sich weniger von Furcht und Sorgen leiten zu lassen, sondern unbekümmert seinen Weg zu gehen, sobald man diesen als sauber und richtig erkennt. Denn meist kommt es doch weit besser heraus, als man es sich zuvor in seinen Ängsten dachte.»

Eine Haltung, die auch den Herrn von Pilatus & Co. sehr gut anstünde …

Zitat:

Aus dem neuesten Interview von kath.ch mit Paul Hinder, Kapuzinerbischof von Arabien

Begrüssen Sie die Entscheidung der Schweiz, dass Pilatus nicht mehr in den Emiraten und in Saudi-Arabien tätig sein darf?

Hinder: Aber natürlich! Ich bin ganz grundsätzlich gegen den Waffenhandel. Waffen fördern Konflikte. Das sind keine Spielzeuge, sondern Geräte mit der Bestimmung zum Töten. Ich bin mir bewusst, dass Geopolitik eine komplexe Angelegenheit ist und Politiker eine andere Optik haben. Aber ich wünschte mir, dass die Leute, die an der Spitze des Waffenhandels stehen, einmal nach Syrien oder Jemen kämen und die verheerenden Ergebnisse ihrer Tätigkeit sehen würden.

 

Themen: Kriegsindustrie, Waffenhandel

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