Wie sich Kinder für syrische Flüchtlingskinder engagieren

Publiziert von Wolf Südbeck-Baur am 17. November 2016 14:41:53 MEZ

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Während der UNICEF-Sternenwoche engagieren sich Kinder in der Schweiz für Flüchtlingskinder im Libanon. Am 21. November findet in diesem Rahmen eine Sammelaktion der Religions- und Ethikklasse 4C des Basler Gundeli-Schulhauses statt. Mit UNICEF-Botschafter Kurt Aeschbacher (Mitte) und Religionslehrer Lars Wolf (mit Gitarre) gaben sie eine Pressekonferenz.

Von Mara Wirthlin

Kinder helfen Kindern – das ist die einfache und schöne Idee hinter der Sternenwoche von UNICEF, die seit 13 Jahren vor dem ersten Advent stattfindet. In dieser Woche sammeln Kinder in der ganzen Schweiz für das gleiche Projekt. Dieses Jahr werden mit dem Erlös syrische Flüchtlingskinder im Libanon unterstützt.

Bereits zum zweiten Mal bei dieser Sammelaktion dabei ist Religionslehrer Lars Wolf mit der Religions- und Ethikklasse 4C im Gundeldingerschulhaus in Basel. Er und seine Schülerinnen und Schüler haben zu einer Pressekonferenz für diesen speziellen Anlass ins eigene Schulzimmer eingeladen.

Dort erzählen die 10-11-jährigen Kinder von ihrer ganz persönlichen Motivation, für syrische Flüchtlinge zu sammeln. Violeta sagt: «Es hat mich berührt, wie die Leute in den Lagern leben müssen. Sie haben nichts und mussten vor den Bomben fliehen.»

«Es hat mich berührt, wie die Leute in den Lagern leben müssen. Sie haben nichts und mussten vor den Bomben fliehen.»  Violetta, Schülerin

 

Und Ermal erzählt: «Ich will einfach, dass die ganze Welt fröhlich ist. Auch, dass alle Familien zur Schule gehen können, ist wichtig.» Er selbst gehe zwar nicht immer gerne zur Schule. Durch die Arbeit an dem Projekt sei ihm aber bewusst geworden, dass der Schulbesuch sehr wichtig und nicht für alle Kinder selbstverständlich ist.

Die Klasse 4e der Basler Margarethenschule verkaufen Kuchen für syrische Flüchtlingskinder Die Klasse 4c der Basler Margarethenschule verkaufen Kuchen für syrische Flüchtlingskinder

Grosses Interesse seitens der Kinder. Die Klasse hat sich während drei Wochen in das Thema eingearbeitet. Es wurde gemalt und gebastelt. Die Kinder haben auch Karten gezeichnet, und die ganz persönliche Geschichte des Flüchtlingsmädchens Horeya mitverfolgt.

Das Interesse seitens der Kinder ist spürbar gross. An der Pressekonferenz ist auch Charlotte Schweizer anwesend, Pressesprecherin von UNICEF Schweiz. Sie hat das Flüchtlingslager besucht, in das die Spenden der Sternenwoche fliessen. Die Kinder hängen an ihren Lippen, als sie erzählt: «Die kleineren Flüchtlingskinder leben noch sehr unbeschwert und fröhlich, sie spielen mit fast nichts.»

Dennoch dürfe man dieses Bild nicht romantisieren: Die Kinder hätten kaum eine Zukunftsperspektive, da ihnen die Bildung oft fehlt. Schweizer sagt, an die Schulklasse gewandt: «Wie ihr auch, haben diese Kinder ihre Berufsträume. Sie wollen zum Beispiel Arzt oder Lehrer werden. Aber für sie wird das sehr sehr schwierig. Wir müssen alles tun, damit dort keine verlorene Generation heranwächst.»

Die Sternenwoche ist Denkanstoss. Der Schüler Niklas, der die Pressekonferenz eröffnet hat, hatte zuvor nur einmal bei seinem Grossvater im Fernsehen vom Krieg in Syrien gehört. Aber jetzt beschäftige ihn das Thema sehr. Er habe auch mit seinen Eltern über das Sammel-Projekt gesprochen, die ihn unterstützen. Er hofft, dass beim Kuchenverkauf am 21. November möglichst viele Spenden zusammenkommen. «Am meisten hat mich die Geschichte des Mädchens Horeya berührt, das im Flüchtlingslager lebt», sagt Niklas.

Unicef-Botschafter und Moderator Kurt Aeschbacher mit Kindern der Klasse 4 (Fotos: Unicef/Buffat Unicef-Botschafter und Moderator Kurt Aeschbacher mit Kindern der Klasse 4          (Fotos: UNICEF/Buffat)

«Es ist ein wichtiger Denkanstoss für die Schweizer Kinder, so ein Projekt zu organisieren.» Kurt Aeschbacher

 

Auch der bekannte SRF-Moderator Kurt Aeschbacher ist an der Pressekonferenz anwesend: Er ist der nationale Botschafter von UNICEF Schweiz und engagiert sich so für deren Projekte. Im Libanon war er selbst noch nie, hat aber schon Flüchtlingslager im subsaharischen Afrika besucht. Er erzählt den Kindern, dass ihm die Perspektivlosigkeit der Flüchtlinge sehr nahe ging: «Manchmal habe ich mich sogar versteckt, um zu weinen.»

Aeschbacher sagt, dass es bei der Sternenwoche nicht nur um die Summe geht: «Natürlich ist jeder Franken wertvoll, aber es ist auch ein wichtiger Denkanstoss für die Schweizer Kinder, so ein Projekt zu organisieren.» Zudem sei es für die geflüchteten Kinder ein wichtiges Zeichen von Solidarität: «Es berührt sie immer sehr, wenn man ihnen erklärt, dass andere Kinder für sie gesammelt haben», sagt Aeschbacher. «Es ist dann fast doppelt so viel wert. Denn sie haben dann das Gefühl, nicht alleine zu sein.»

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