Interreligiöses Frauenparlament 2016 - Stand up!

Publiziert von Stephanie Weiss am 4. Oktober 2016 15:24:32 MESZ

worksho-christl-frauen-2 Die Teilnehmerinnen diskutieren in Workshops (Foto: Maya Jörg)

 

Für den interreligiösen Austausch zwischen Frauen braucht es mehr Information, Lobbying sowie eine Dachorganisation. Zu diesem Schluss kam das Interreligiöse Frauenparlament, welches am 25. September im Haus der Religionen in Bern tagte.

Von Esther Gisler Fischer

Unter dem Motto „Stand up! - Interreligiöses Frauenparlament“ trafen sich Frauen verschiedener religiöser Traditionen in einer Begegnung auf Augenhöhe. 90 Frauen aus insgesamt acht verschiedenen Religionsgemeinschaften debattierten im „Haus der Religionen“ in Bern und formulierten gemeinsame Anliegen. Der Ort dieses „Interreligiösen Frauenparlaments“ hätte nicht besser gewählt sein können: Die Präsidentin des Vereins „Haus der Religionen – Dialog der Kulturen“, Dr. Gerda Hauck  begrüsste die Frauen und wenigen Männer in diesem zukunftsweisenden Haus am Europaplatz in Bern, wo sich christliche Gemeinschaften verschiedenster Denominationen, Sikhs, Bahaii’s, Muslime, AlevitInnen, Hindus, BudhistInnen und Juden und Jüdinnen zu ihren Gottesdiensten und Zeremonien treffen mit dem Hinweis, dass heute Frauenrechte in Gefahr seien und die Frau und ihr Körper wieder drohe, kolonialisiert zu werden. Das Eingangsreferat hielt Suzan G. LeVine, US-Botschafterin für die Schweiz und Lichtenstein. Zum einstieg blies sie als Jüdin das Schofarhorn, als Zeichen dafür, dass wenn nicht die Mauern um die Stadt Jericho, so doch jene zwischen Religionen und Konfessionen ins Wanken geraten sollten. Sie betonte anschliessend die Wichtigkeit der Diversität in allen menschlichen Lebensbereichen und den Einbezug von Frauen und erzählte von ihren eigenen Erfahrungen als Co-Gründerin der Kavanah-Cooperative, einer inklusiven jüdischen Gemeinschaft in Seattle, in der Menschen jeglicher Couleur ihr jüdisches Leben gemeinsam gestalten. Wichtig sei auch, füreinander einzustehen. So lautete auch das Motto der Tagung: “Stand up!". Anschliessend berichtete die Islamwissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Fachstelle für Integrationsfragen im Kanton Zürich, Deniz Yüksel von ihren Erfahrungen. Es bestehe das Bedürfnis für Räume, in denen sich Frauen verschiedener religiöser Traditionen begegnen könnten. Um die Teilhabe an der Gesellschaft, insbesondere von Migrantinnen zu ermöglichen, gehöre der Erwerb der Sprache als Schlüsselkompetenz unbedingt dazu. Dazu seien Frauen zu ermutigen. Sie betonte die Wichtigkeit interreligiöser Netzwerke und Kooperationen für die Weitergabe von Know How. Als Beispiel nannte sie den Austausch von christlichen mit muslimischen Seelsorgenden im Kanton Zürich. Regelstrukturen, wie die Schule seien in die Pflicht zu nehmen und ihre Schlüsselpersonen zu sensibilisieren. Als wichtigen Punkt erachtet sie, dass der Organisationsgrad von Frauen unbedingt erhöht werden müsse, damit sie sichtbar würden.

Als dritte Referentin berichtete die junge Juristin und interkulturelle und interreligiöse Mediatorin Laavanja Sinnadurai von ihrem Aufwachsen zwischen der tamilisch-hinduistischen und der schweizerischen Kultur in einem Berner Vorort und ihrem Spagat zwischen zwei Kulturen. Die Frauen, auch gerade aus unteren Kasten hätten bereits viel erreicht: Sie erwähnte die ersten zwei Hindu-Priesterinnen, welche im Tempel im Haus der Religionen tätig sind. Sie rief die Anwesenden auf, Sorge zu sich zu tragen bei ihren vielfältigen und anspruchsvollen Engagements. Die angesprochenen Themen wurden in einem Podium unter Einbezug des Plenums noch vertieft.

Nach einem feinen ayurverischen, vegetarischen Mittagessen trafen sich die Frauen nach ihrer Religionszugehörigkeit in Workshops. Der Auftrag der Organisatorinnen Angela Büchel Sladkovic und Heidi Rudolf war, Visionen zu erarbeiten für nächste Schritte konkreten Handelns. Im anschliessenden Zusammentragen durch die Moderatorin Theres Spirig-Huber wurde festgestellt, dass viele Ideen an den fehlenden finanziellen Ressourcen scheitern und es deshalb wünschenswert wäre, wenn solche den Religionsgemeinschaften zur Verfügung stehen könnten. Da ist Lobbying- und Advocacyarbeit auf kantonaler Ebene gefragt! Es wurde beschlossen, die Vorbereitungsgruppe für ein weiteres Interreligiöses Frauenparlament zu erweitern, um jüngere Frauen anzusprechen. Ein Newsletter soll in Zukunft den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmerinnen ermöglichen und Beispiele von „good practice“ bekannt machen, sowie das Netzwerk durch Informationen stärken.

An diesem Tag der Begegnung und des Austausches ist in den Köpfen und Herzen der anwesenden Frauen einiges angestossen worden. Vieles braucht wohl mehr Zeit, als Frau es sich wünscht. So zum Beispiel eine Dachorganisation, welche religiösen Frauen mehr Einfluss auf dem politischen Parkett bieten kann.

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