Brexit-Verlierer

Publiziert von Wolf Südbeck-Baur am 14. Juli 2016 12:47:01 MESZ

Großbritannien und die EU bleiben nicht, wie sie waren. Ein Kommentar von

Wolfgang Kessler

Wolfgang Kessler Die Volksabstimmung für den Brexit hinterlässt vor allem Verlierer. Viele Brexit-Befürworter wissen nun, dass sie belogen worden sind. Man muss die EU nicht lieben, aber so hohe Kosten, wie sie von der Brexit-Kampagne angegeben wurden, verursacht die EU für die Briten nicht. Die Rattenfänger Boris Johnson und Nigel Farage gingen von der Fahne. Es bleibt der Frust.

Verloren geht auch die Menschlichkeit. Zuwanderer aus der EU sehen sich in Großbritannien einer Hasskampagne ausgesetzt: »Geht endlich nach Hause«. Wirtschaftlich werden die Briten höhere Importpreise erleben, weil das Pfund fällt. Und die Linken, die vom Brexit mehr Gerechtigkeit erhofften, erfahren nun, dass Finanzminister George Osborne Steuern für Unternehmen und Spekulanten senken und dafür Sozialleistungen kürzen will.

Was bleibt der britischen Regierung? Eigentlich nur, vom Brexit zu reden, ohne ihn zu vollziehen. Das ist relativ einfach: Sie zögern den Ausstieg um zwei Jahre hinaus – eine Übergangsfrist war eh vorgesehen. Die neue Premierministerin Theresa May verhandelt dann mit Brüssel über die Modalitäten des Austritts. Dabei stellt sie hohe Bedingungen, die Verhandlungen stocken. Irgendwann wird in Großbritannien neu gewählt – die Brexit-Gegner werden siegen. Sie können dann mit Brüssel neu verhandeln, für ihren EU-Verbleib einige Privilegien herausholen und sagen: Die EU hat unsere Forderungen akzeptiert, wir können bleiben.

Spätestens dann gibt es noch einen Brexit-Verlierer: die Europäische Union.

*Wolfgang Kessler ist Wirtschaftspublizist und Chefredaktor von Publik-Forum. Der Kommentar ist ein Vorabdruck aus der nächsten aufbruch Nr. 221, die am 28. Juli 2016 erscheint.

Themen: News

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