Basler Kirche lässt Flüchtlinge fallen

Publiziert von Wolf Südbeck-Baur am 3. März 2016 17:21:31 MEZ

Die Polizei beendete heute Morgen jäh die Hoffnung auf den Schutz durch Kirchenasyl in der Basler Matthäuskirche und verhaftete acht Asylsuchende. Ein Kommentar von Wolf Südbeck-Baur

Etwa 400 Menschen protestieren gegen die Verhaftung von acht Papierlosen, die in der Matthäuskirche Schutz gesucht hatten. (Fotos: Südbeck-Baur) Etwa 400 Menschen protestieren gegen die Verhaftung von acht Papierlosen, die in der Matthäuskirche Schutz gesucht hatten. (Fotos: Südbeck-Baur)

Die Aktivistengruppe ist schockiert, enttäuscht. Bis zuletzt hatten acht Afrikaner und ihre etwa 25köpfige Unterstützergruppe «Wir bleiben» gehofft, in den Räumen der Basler Matthäuskirche Schutz vor Ausschaffung zu finden und eine Debatte über eine humane Migrationspolitik in die Öffentlichkeit zu tragen. Beides ist gründlich misslungen. Am grauen Morgen des 3. März räumte die Polizei die kirchlichen Räume und verhaftete die acht abgewiesenen Asylsuchenden.
Nach einem einzigen Gespräch, in dem der Hausherr, Basels reformierter Kirchenrat, die Hausfriedensbrecher zum freiwilligen Verlassen der Räume aufgefordert hatte, überliess der Rat der Polizei das Feld. Gewalt statt Gespräch - ein vorerst unversöhntes Ende des Versuchs junger engagierter Leute auf dem Sprung ins Leben, das Zusammenleben für alle - Flüchtlinge und Fremde inklusive - im Gespräch mit Kirchen, Behörden und Öffentlichkeit ein wenig menschlicher zu gestalten. Fassungslos ist festzustellen: Kirchenverantwortliche haben in Basel eine einmalige Chance verspielt. Roger Thiriet, Sprecher der reformierten Kirche Basel, sieht das freilich anders.  Aus seiner Sicht "hat der Kirchenrat mit dem polizeilichen Eingreifen nichts zu tun", wie er auf Anfrage erklärt. Das Basler Migrationsamt "hat aus eigener Initiative die Personenkontrolle durchgeführt". Das sei allerdings auch wenig überraschend gewesen, nachdem die Aktivengruppe "Wir bleiben" gestern mit einer Medienmitteilung an die Öffentlichkeit gegangen war und damit die vereinbarte Vertraulichkeit  verletzt hätte.

Damit schiebt Basels reformierter Kirchenrat den schwarzen Peter den Behörden und der Unzuverlässigkeit der Aktivistengruppe zu. Mit Verlaub, meine Herren, da machen Sie sich es zu einfach! Hätten Basels Kirchenverantwortliche ein echtes Interesse an der dringend not-wendigen öffentliche Debatte über eine humane Migrationspolitik gehabt, hätten sie - Fasnacht hin oder her - in den vergangenen Wochen offensiv das Gespräch über Menschenrechte umd Migration, über Flüchtinge und Bibel aufnehmen können. Sie haben es nicht getan und damit den Behörden signalisiert, gegen eine polizeiliche Räumung wehren wir uns als Kirche nicht. Stattdessen haben die Kirchenverantwortlichen in Basel acht abgewiesene Flüchtlinge fallen lassen wie heisse Kartoffeln. Gleichwohl geht die Debatte auch kirchenintern jetzt erst richtig los. Vielleicht liegt hier auch eine versöhnliche Chance, zerschlagenes Porzellan zu kitten und aufeinander zuzugehen.

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Weitere Informationen der Aktivistengruppe:

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