Segnen ist kein Verstoss

Publiziert von Martina Läubli am 16. Februar 2015 15:38:05 MEZ

Dass unliebsame Personen abgesetzt werden, geschieht in der Katholischen Kirche nur allzu oft. Im Fall Wendelin Bucheli wird eine Segnung als Versetzungsgrund angegeben. Segnungen sind aber keine sakramentalen Handlungen.

Von Mario Crola, SYNA – Kirchliche Berufe Zürich/Schaffhausen

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Pfarrer entlassen, abgesetzt, abgesägt, in die Wüste geschickt. Wie oft ist das in der röm. kath. Kirche an Seelsorgern, Caritas-Mitarbeitern, Priestern, Bischöfen, Laien, Frauen und Männern in den besten Jahren geschehen? Soll ich aufzählen? Der Fall Pfürtner, H. Küng, E. Drewemann, Bischof Gayot, Bischof Hansjürg Vogel, Franz Sabo, Generalvikar Matt und, und, und – um jene zu nennen, die uns noch in bester Erinnerung sind.

Willkür der Vorgesetzten

Was eine Entlassung für eine Person zur Tragödie und so verletzend macht, ist die Art und Weise der Begründung, die zu einer Entlassung führt. Oft wurden und werden die wirklichen Gründe verschwiegen oder verdreht, meistens kam es nie zu einer echten Kommunikation oder Chance zu einer Rehabilitation. Meistens ist es Ein-in-den-Rücken-Fallen, wie bei einem Mordfall. Sei es in der Industrie, Verwaltung, in Non-Profit-Organisationen oder Heimen, überall ist der Untergebene machtlos der Willkür eines Vorgesetzten ausgeliefert.

»Jeder hochmütige Vorgesetzte macht sich sooft der Apostasie (der Abwendung von einer Religion oder Ideologie) schuldig, als er sich darin gefällt, anderer Menschen, Vorsteher zu sein, und an der Einzigartigkeit seiner ehrenvollen Stellung (Macht) Gefallen findet. Sooft ein Vorsteher (Hirte) sich überhebt, weil er andere führt, trennt er sich durch die Sünde des Hochmuts vom Dienst des höchsten Weltenlenkers.« (Zitat: Papst Gregor der Grosse, um 540 – 604, zu lesen in: Sonntag, Heft 6/2015, Wort zur Woche des Benediktiners  Martin Werlen; Mündige oder Unmündige? Seite 12)

Segnung ist kein Verstoss

Wendelin Bucheli, der katholische Pfarrer, der zum Bistum Chur der Kirchgemeinde von Bürglen, Kanton Uri, gehört und sowohl öffentlich-rechtlich als auch privatrechtlich von der Kirchgemeinde Bürglen gewählt worden ist, wurde durch den Churer Bischof Vitus Hounder des Amtes enthoben. Begründung: Bucheli habe aus der Sicht des Bischofs Unerlaubtes getan. Er gab der Verbindung zwischen zwei lesbischen Frauen den Segen. Deshalb muss Bucheli nun gehen. Segnungen sind aber keine sakramentalen Handlungen.

Es wäre wünschenswert, wenn die schweizerische Bischofskonferenz den Mut hätte, ihren Mitbruder Huonder zurechtzuweisen.

Wie dem auch sei; die Kirchgemeinde von Bürglen steht hinter ihrem Pfarrer und will ihn nicht ziehen lassen. Somit wird ein kirchenrechtlicher Fall zu einem Konflikt, der das Anstellungsverhältnis betrifft. Eine Kündigung wegen einer Amtshandlung, die nicht einmal gesichert gegen den CIC ( Codex Iuris  Canonici) verstösst, ist auf keinen Fall eine Handlung, die gegen die öffentliche Ordnung, bzw. gegen die Schweizerische Rechtsordnung verstösst. Bischof Vitus Hounder hat sich somit de facto selber delegitimiert, das Amt eines Hirten der Diözese Chur auszuüben. Es wäre wünschenswert, wenn die schweizerische Bischofskonferenz den Mut hätte, ihren Mitbruder zurechtzuweisen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kirchgemeinde von Bürglen nicht klein beigibt, sondern einen gewieften Juristen aufbietet, der vor Verwaltungsgericht dem hochmütigen Vorgesetzten Verletzung der Amtsbefugnis gegen Treu und Glauben vorzuwerfen imstande ist. Die Kirche täte gut daran, jene Vergehen zu ahnden, die gegen die Menschenrechte verstossen.

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