Untragbar

Publiziert von Martina Läubli am 12. März 2014 12:27:30 MEZ

"Es reicht!" Kundgebung am 9. März in St. Gallen. Foto: Benno Bühlmann "Es reicht!" Kundgebung am 9. März in St. Gallen. Foto: Benno Bühlmann

In St. Gallen haben gut 2000 Personen  für eine glaubwürdige und befreiende Kirche demonstriert. Der Aufstand gegen einen untragbaren Bischof ist nötig. Ein Kommentar von Benno Bühlmann*

«Es reicht!» – Die Botschaft der Kundgebung vom 9. März in St. Gallen war unmissverständlich: «Wir haben genug von Ausgrenzung, Diskriminierung, Feudalismus und systematischem In-Frage-Stellen staatskirchenrechtlicher Strukturen», gab eine breite Allianz von 15 kirchlichen Verbänden zu verstehen. Gleichzeitig forderten sie eine neue Leitung für das Bistum Chur, eine Administrator, der «das Vertrauen der Mehrheit der Gläubigen des Bistums geniesst.» Der Aufmarsch von über 2000 Personen war zweifellos ein ermutigendes Zeichen. Die Zukunft der katholischen Kirche ist den Gläubigen an der Basis nicht gleichgültig.

Foto: Benno Bühlmann Foto: Benno Bühlmann

Andererseits hat der permanente Widerstand gegen eine rückwärtsgewandte Kirche bei den Engagierten auch zu Abnützungserscheinungen und Resignation geführt. Vor allem jene Demonstrierenden, die bereits 1988 und 1990 gegen Bischof Wolfgang Haas auf die Strasse gingen und mit ihrem Protest immerhin erreichten, dass Haas 1997 ins Erzbistum Vaduz versetzt wurde, erlebten in St. Gallen ein unangenehmes «Déja-vu»: Warum hat die Kirchenleitung nichts dazugelernt?

Das Churer Domkapitel besteht zu zwei Dritteln aus erzkonservativen Leuten aus der Haas-Ära und bietet bei einer neuen Bischofswahl wenig Grund zur Hoffnung. Ob der als eher liberal geltende Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Bewegung in die verfahrene Situation bringen kann, ist fraglich. Zwar zeigte sich Bischof Markus Büchel beeindruckt vom Aufmarsch der Kirchenbasis, vermochte aber bei seinem Auftritt in St. Gallen leider kaum ermutigende Zeichen zu setzen. Die SBK hat kein Aufsichtsrecht über einzelne Bistümer und kann bei Personalfragen nicht direkt eingreifen. Trotzdem kommt sie nicht umhin, ihren Beitrag für den «religiösen Frieden» in der Katholischen Kirche zu leisten.

* Benno Bühlmann ist Theologe, Journalist und Mitbegründer des aufbruch

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