Wallfahrt gegen Pastoral des Ausschlusses

Publiziert von Wolf Südbeck-Baur am 16. Januar 2013 12:03:05 MEZ

Die Wallfahrt nach Chur hat die Solidarität und das Wir-Gefühl der Seelsorger gestärkt, die die Pfarrei-Initiative unterzeichnet haben

 

Von Michael Meier

Michael Meier: "Bischof Huonder wird sich nicht scheuen, gegen die Unterzeichner der Pfarrei-Initiative hart durchzugreifen. " Michael Meier: "Bischof Huonder wird sich nicht scheuen, gegen die Unterzeichner der Pfarrei-Initiative hart durchzugreifen. "

Die 600 Gläubigen, die letzten Sonntag in der Dämmerung und in eisiger Kälte vor dem bischöflichen Schloss in Chur einen Lichterkreis bildeten, demonstrierten glaubwürdig Geschlossenheit und Entschlossenheit. Die Wallfahrt nach Chur hat damit ein wichtiges Ziel erreicht. Sie hat die Solidarität und das Wir-Gefühl der Seelsorger gestärkt, welche die Pfarrei-Initiative unterzeichnet haben. Sie hat den <ungehorsamen> Seelsorger aber auch die Zuversicht gegeben, in ihrer menschen- und praxisnahen Seelsorge von den Gläubigen in den Pfarreien getragen und unterstützt zu werden.

Wie Initiantin Monika Schmid bemerkte, hatte der Bischof von Chur offenbar andere Prioritäten, als an der Wallfahrt seiner Seelsorger und Gläubigen anwesend zu sein. Er liess sich durch seinen Generalvikar Martin Grichting vertreten, der mit seinen mehr als saloppen Bemerkungen den feierlichen Rahmen der Wallfahrt ins Lächerliche zog. Grichting nahm die vom Bischof erbetene Briefe entgegen, worin die Seelsorger darlegen, warum sie Laien nicht vom Predigen, Geschiedene und Homosexuelle nicht von den Sakramenten, Reformierte nicht vom Abendmahl und Frauen nicht vom Priestertum ausschliessen mögen.

Die Wallfahrt öffnete aber auch vielen die Augen, dass die mutigen Seelsorger womöglich  selber Opfer der bischöflichen Pastoral des Ausschlusses werden. In einem unmittelbar nach dem Anlass veröffentlichten Communiqué erklärte der Bischof, dass er auf Personalentscheide verzichte, <bis das weitere Vorgehen klar ist>. Wichtig sei auch, dass sich die Bischöfe jetzt nicht auseinander dividieren liessen. Bei aller Würde und Feierlichkeit machte der Solidaritäts-Tag letztlich klar, dass Huonder, angespornt von seinem Generalvikar, sich nicht scheuen wird, gegen die Unterzeichner hart durchzugreifen.

Michael Meier ist Religionsjournalist und Mitarbeiter des Tages Anzeigers

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